Kakteenessen

für kulinarisch Mutige

Man gönnt sich ja sonst nichts … – Kakteen essen

Kakteen essen – ein Testbericht

Datum: 14.06.08

Bewertung: *****

Vorteile: außergewöhnliches Erlebnis

Nachteile: preisintensiv

— dies ist das Backup eines Berichtes der Webseite dooyoo.de die nicht mehr online ist —

Es gibt Zeiten, da geht es finanziell etwas besser und dann wieder welche, in denen es nicht so rosig aussieht. Die Höhen und Tiefen des realen Lebens halt.
Wenn ich in einer Phase bin, in der ich gerade etwas abgeben kann, dann tue ich es. Wenn es gerade nicht der Fall ist, dann muss man sich auch anpassen…
2005 muss eins der günstigeren Jahre gewesen sein. Daher bekam meine beste Freundin ein recht großzügiges Geschenk. In solchen Situationen meint sie dann manchmal, es nicht annehmen zu können. Aber ich sage nur: „Nimm es, solange ich es habe. Wenn es mal wieder anders ist, gibt es eben vielleicht nur eine Schokolade.“ Und wir kennen uns einfach lange genug, dass wir uns gegenseitig eingestehen können, wann nur eine Schokolade drin ist und wann eben mehr.

Mein Geschenk an sie war ein Kakeenessen (bzw. eben ein Gutschein dafür, weil sie im Mai Geburtstag hat und die Veranstaltung im Juli stattfand). Es hat uns sehr gefallen, aber es ist eben eine Sache, die man sich als Otto Normalverbraucher wahrscheinlich nur einmal im Leben gönnt. Daher bezieht sich mein heutiger Bericht auch auf Sonntag, den 03. Juli 2005.

Die Veranstaltungen finden statt bei der Firma Kakteen-Haage in Erfurt. Kakteen-Haage ist ebenfalls eins der traditionsreichen Thüringer Unternehmen. Es existiert seit 1822 und ist bzw. hat die älteste Kakteen-Zucht Europas.

Irgendwie wurde ich auf das Kakteendinner aufmerksam. Ich kann heute nicht mehr genau sagen wie; wahrscheinlich im Internet, weil ich damals beruflich viel mit Thüringer Firmen zu tun hatte und mir ständig irgendwelche Wirtschaftsdaten im Internet suchen musste. Vielleicht war es auch eine Zeitungsmeldung, die meine Aufmerksamkeit erregte.

Auf der Homepage ist jedenfalls zu lesen:

Ich zitiere von www.kakteen-haage.de:


Kulinarische Kakteen – der Hintergrund

Kakteen essen?? Eine ausgesprochen komische Idee, wenn man sie sich „auf der Zunge zergehen läßt“. Dennoch komisch genug, das sich in jedem Sommer 200 „Probanden“ an vier Abenden zusammenfinden, um zu testen, ob die Stacheldinger essbar sind.
Zum ersten Mal gab es im Hause Haage ein offizielles Kakteen-Essen im Jubiläumsjahr 1997. Damals mit einem ausgewählten Kreis von Ehrengästen. Dr. Werner Hoffmann aus Geisenheim, der gewissermaßen einer der geistigen Väter war, beteiligte sich maßgeblich an der Vorbereitung und moderierte mit großem Erfolg den erstem Abend. Der Gedanke war, ein großes Gala-Essen nach gediegener französicher Manier auf Basis von Kakteen zuzubereiten und in einem entsprechenden Ambiente zu servieren. Die Idee wurde mit einer solchen Begeisterung aufgenommen, das man beschloß, das ganze zu wiederholen.
Am 11. Juli 1998 fand das zweite Kakteen-Diner statt. Wiederum fünf Gänge, alle aus, oder
mit Kakteen und wieder im Gewächshaus serviert. Die kulinarische Seite bearbeiteten auch in diesem Jahr Ulrich Manck und Manfred Sawo, beides erfolgreiche Profi-Köche die in Erfurt vier Spezialitätenrestaurants betreiben. Das dies auch in diesem Fall trotz erschwerter Bedingungen mit Bravour geschah, beweist einmal mehr die Begeisterung der Gäste – von denen sich spontan acht zum nächsten Termin 1999 anmeldeten.
In den Jahren zuvor war der Service immer ein Teil, der von der Familie Haage und deren Freunden übernommen wurde, ab 1999 lag diese Tätigkeit, wie auch das Eindecken der festlichen Tafel in professioneller Hand. Natürlich wurde auch das Essen wieder ein großer Erfolg – begeisterte Gäste – selbst die großen Medien wurden wach (unter anderem berichteten Sat 1 und mdr-TV) von den nun bereits zwei Tagen.
Die Planungen für den nächsten Termin 2000 liefen an und wenig später waren die ersten zwei Tage ausgebucht. Spontan wurde auch das folgenden Wochenende reserviert. In diesem Jahr konnten wir die erste „Doppelbesucherin“ begrüßen, sie war so begeistert, das sie gleich noch einmal für das folgende Wochenende reservierte.
Eine weitere Novität gab es in diesem Jahr, der Abend wurde begleitet von „El Dorado“, echten Mariachis aus Mexico, die einige Gäste im wahrsten Sinne des Wortes vom Stuhl rissen.
Auch im vierten Jahr wird die Begeisterung nicht weniger, ein drittel der Gäste trug sich noch am gleichen Abend in die Reservierungsliste ein und im August waren die hälfte der vier Abende bereits ausgebucht. Das Kakteenessen 2001 wurde erneut ein voller Erfolg… An jedem Abend viele strahlende Augen – wie man es sonst nur aus Weihnachtserzählungen kennt – wenn auch Sie einmal dabei sein möchten: …

(Ende des Zitats)


Ich reservierte. Und irgendwann bekam ich Post von Kakteen-Haage. Hier der Brief:

Kakteen-Dinner Juni/Juli 2005
Liebe Gäste,
Vielen Dank für Ihre Reservierung für das Kakteenessen 2005.
sooo viele Menschen haben sich eingetragen – wie sollen wir all diese Wünsche erfüllen ??? Selbst mit zwei zusätzlichen Terminen werden die Plätze in diesem Jahr nicht für alle reichen, aber wir geben uns Mühe fast alle Wünsche erfüllen zu können.
Im Moment läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen, wenn wir daran denken, was uns im Sommer wieder leckeres erwartet…
Mit diesem Brief möchten wir Ihnen 2 reservierte Plätze für den Sonntag, 3. Juli 2005 ab 19.00 Uhr bestätigen.
Statt „Eintrittskarten“ gibt es beim Kakteenessen eine Gästeliste. Damit wir Ihren Namen fest auf dieser Gästeliste notieren können sind zwei Dinge notwendig:
1. ein kurzer Anruf bei uns unter 0361-2294000 oder Mail an info@kakteen-haage.de zur Bestätigung (oder ggf. Absage) – falls noch Fragen sind, lassen sich diese sicher dabei auch gleich klären.
2. eine Überweisung der Kosten für den Abend (pro Person 68 Euro). Unsere Kontonummer lautet 1800710 (Erfurter Bank BLZ 820 64 228) Bitte notieren Sie, im Verwendungszweck ……..99084.2-942.03.Jul, damit wir Ihre Zahlung richtig zuordnen können.
Wichtig: beides sollte bis zum 31. Mai 05 erledigt sein, danach werden die Plätze weiter vergeben.
Es gibt keine Kleiderordnung, Sie sollen sich ja wohl fühlen. Darum empfehlen wir je nach Wetter eine leichte und flexible Abendgarderobe – im Gewächshaus sind die Temperaturen gern ein wenig launisch nach oben wie nach unten.
Wenn Sie möchten, kommen Sie doch einfach etwas eher, dann können Sie vorher doch noch ein wenig durch unsere Gewächshäuser schauen, aber Vorsicht – dort herrscht möglicherweise reger Kochverkehr, schließlich müssen nach 19.00 Uhr all die Leckereien fertig vorbereitet sein. In jedem Gang des Menüs stecken Zutaten, die aus dem Reich der Kakteen stammen und natürlich auch wirklich aus deren Heimatländern kommen. Was es zu essen geben wird wissen wir auch noch nicht, die Köche sind noch fleißig am Tüfteln – aber lassen Sie sich doch überraschen! Der Gaumen wird zu seinem Recht kommen bei Speis und Trank. Und die Augen sicher auch, die festlich gedeckte Tafel steht, umgeben von stattlichen Kakteen und Euphorbien mitten im Gewächshaus.
Wir freuen uns auf Sie, wünschen Ihnen eine gute Reise

Am Abend des 03. Juli fanden wir uns im Gewächshaus ein. Eine lange Tafel war gedeckt. Es sah wunderschön aus. Wir nahmen Platz. Cremefarbene Tafeltücher bedeckten die Tische, vor uns eine kunstvoll drapierte knallrote Serviette, links davon drei Gabeln, rechts davon drei Messer (das mittlere ein Fischmesser) und ein Löffel. Oberhalb der Messer standen fünf blitzblanke Stielgläser. Mineralwasser war eingesetzt. Als Tischdeko dienten kleine Kakteen und selbstverständlich stand auf jedem Platz eine Menükarte.

Diese liest sich wie folgt:
Tecate, XX, Bohemia mexikanisches Bier
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Nopalitos con Garne
+++ eine Suppe von Kaktusblättern, Hackfleisch, Kartoffeln, verfeinert mit Rosinen und Mandeln +++
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2003 Blauer Portugieser, Dürkheimer Feuerberg, Deutschland
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Nopalito Enchilada
+++ Maismehltortilla gefüllt mit Kaktusblättern, Champignons und roten Bohnen +++
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2003 Grüner Silvaner, Weingut Louis Guntrum, Deutschland
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Pescado con Nopalitos
+++ Seeteufel auf Kaktusblättersauce, an mexikanischem Reis +++
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2002 Petite Sirah L.A.-Getto
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Tournedo de Filete
+++ Medaillons vom Rinderfilet auf Kaktus-Spargel-Gemüse an Kartoffel-Kaktus-Creme +++
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2002 Grecale, Vino Liquoroso Moscato, Sicilia
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+++ Kaktuseis auf Brandteig mit warmem, exotischem Fruchtcocktail +++

Unsere Erfahrung:
Es war ein wirklich toller Abend. Ein glanzvolles 5-Gänge-Menü. In jedem einzelnen Gang tritt der Kaktus wieder in Erscheinung. Das Ganze in … ich will nicht sagen „stilvoller Umgebung“, denn ein Gewächshaus kann man wahrscheinlich nicht als stilvoll bezeichnen… also sage ich mal „passender Umgebung“ – die Gäste umgeben von vielen großen Kakteen. Und das Wetter hat an jenem Abend auch mitgespielt, es war so richtig schön warm.
Also ich (wir) kann (können) es wirklich nur empfehlen. Für uns war es ein Erlebnis, welches uns noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Wir haben an diesem Abend auch wunderbare Fotos gemacht (es ist uns sogar geglückt, tatsächlich von jedem Gang ein Foto zu machen!!! – meist bin ich für solche Aktionen zu hungrig und / oder zu vergesslich). Und so können wir es uns immer wieder vergegenwärtigen, sollten die Erinnerungen einmal zu sehr verblassen.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Wer teilnehmen möchte, sollte – weil die Veranstaltungen nach wie vor nur an zwei Wochenenden im Jahr stattfinden – rechtzeitig reservieren. Die Freitag- und Samstag-Veranstaltungen sind besonders gefragt und meist schon ein Jahr im Voraus ausgebucht (weil am Ende der Veranstaltung eine Liste für das Folgejahr ausliegt). Für sonntags hat man auch später noch eine Chance (deshalb waren auch wir an einem Sonntag).
Übrigens liegt der Preis jetzt in 2008 aktuell bei 75 EUR.

Fazit: empfehlenswert (je nach Lage des Geldbeutels)


Quelle des Originaltext von friedel auf dooyoo  (nicht mehr verfügbar) – Herkunft des Backup: hier